Mike Schillings – Sponsor des TV Idstein

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.06.2019
Jedes Teil muss auf den Prüfstand
Geräte der Idsteiner Firma Innomatec spüren auch das kleinste Loch auf

IDSTEIN. Sind die ganz dicht? Diese Frage wird in Unternehmen häufig gestellt, und es geht gar nicht immer um Politik. Oft ist von eigenen Produkten die Rede: von Rückleuchten fürs Auto, elektrischen Zahnbürsten, Benzinleitungen, Dialysefiltern und Mischbatterien, kurz von allem, aus dem Flüssigkeit nicht unkontrolliert austreten oder hineingelangen darf. Die Antwort bekommen Hersteller häufig von der Idsteiner Firma Innomatec. Sie ist ein Spezialist für die Herstellung von Maschinen und Computern zur Dichtigkeitsmessung, ihre Kunden sind große Autohersteller und Zulieferer, Produzenten von Medizintechnik und Armaturen. Konzerne wie Bosch und Volkswagen schreiben ihren Lieferanten die Prüfung mit den Idsteiner Geräten sogar vor.

„Unser Kundenstamm ist breit, Großkunden machen bei uns höchstens zehn Prozent des Umsatzes im Jahr aus. Das macht uns krisenfester“, sagt Mike Schillings, der Innomatec seit 2005 führt. Gegründet hat es sein Vater vor 36 Jahren, als er ein effizienteres Verfahren zur Dichtigkeitsprüfung von Werkstücken entwickelt hatte. Bis dahin machten es die industriellen Hersteller ähnlich wie Bastler bei der Fahrradreparatur: Sie füllten ihr Produkt mit Luft und senkten es ins Tauchbad. Wo es blubberte, war ein Loch.

Der Ingenieur Wolfgang Schillings ersetzte das Wasserbad durch einen Prüfstand mit Vakuumkammer, in der ein Computer misst, ob aus dem vorab luft-oder heliumbefüllten Werkstück irgendwo Gas austritt. „Der Einsatz der Leck-Test-Computer macht die Kontrolle auch systematischer, unabhängiger von der Aufmerksamkeit des Mitarbeiters“, erklärt Mike Schillings. Vor allem aber geht es so schneller, was bei Produkten wie Motorradtanks und Rohranschlüssen, von denen jedes einzelne Teil geprüft wird, ein geldwerter Vorteil ist. Während die Computer, von denen Innomatec etwa 1000 im Jahr baut, einer dem anderen gleichen, sind die dazugehörigen Prüfstände Einzelanfertigungen. „Deshalb wird es hier nie langweilig“, sagt der Chef. Die Prüfstände werden schon geplant, bevor die serielle Produktion der Prüflinge, wie Schillings die Werkstücke nennt, begonnen hat. „Die Hersteller wenden sich in einer frühen Entwicklungsphase an uns, das Produkt gibt es da erst als Konstruktionszeichnung oder Prototyp“, erklärt er.

Frisch montiert: Mike Schillings zeigt ein Prüfgerät für Autoteile. Foto: Helmut Fricke

Seine Ingenieure grübeln dann, wie die Maschine zur Qualitätsprüfung aussehen müsste, fertigen ihrerseits Zeichnungen und einen Kostenvoranschlag an. „Dann hören wir eine ganze Weile nichts, und irgendwann muss es schnell gehen“, sagt Schillings. So schnell wie möglich wollen die Hersteller dann die Produktion aufnehmen. Doch ein paar Wochen brauchen die Ingenieure eben doch, um den Prüfstand zu bauen.

Die Teile für das Metallgehäuse kommen von einem Zulieferer, alles andere wird bei Innomatec montiert. So kann man in der Idsteiner Fertigungshalle sehen, was die Industrie gerade beschäftigt. Als Volkswagen im Frühjahr seinen Masterplan in Sachen E-Mobilität vorstellte, stand bei Innomatec schon die Gerätschaft zur Überprüfung der Metallwannen, in denen später die Batterien liegen werden. 180 Sekunden dauert darin jeder Test. „Noch kommen sie mit einer Maschine aus, mit Sicherheit bestellt VW noch einmal nach, wenn die Produktion ansteigt“, sagt Schillings.

Bei einer Zahl etwas höher als 5000 sind die Innomatec-Seriennummern inzwischen angekommen. So viele Prüfstände hat die Firma bereits gebaut, für ganz kleine und ganz große Teile, zum Preis für hunderttausend oder auch schon einmal für 1,6 Millionen Euro. Überall in der Welt sind sie im Einsatz, Schillings nennt Länder wie Puerto Rico, Korea und Südafrika. Den internationalen Vertrieb hat er aufgebaut, nachdem er 1996 in die Firma des Vaters eingetreten war. Er hat eine Ausbildung als Elektrotechniker und war von vier Geschwistern derjenige mit dem größten Interesse am Unternehmen. Seit 2005 gehört es ihm, und es ist seitdem stark gewachsen. Mit 35 Mitarbeitern hat Schillings angefangen, heute sind es 100 mehr. Der jährliche Umsatz ist von rund vier Millionen auf zuletzt 31 Millionen Euro gestiegen. Die Firma aus dem Taunus hat Dependancen in China, Brasilien und Indien, hinzu kommt ein internationales Vertreter netz. „Wirkliche Wachstumsmärkte sind für uns derzeit Mexiko und China“, so der Unternehmer.

Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt, dass Schillings den Unternehmenssitz ausbauen möchte, aber es fehlt am Grundstück. Er habe sogar schon daran gedacht, deswegen die Firma an einen anderen Standort zu verlagern. Aber Schillings ist mit Idstein verwachsen, er lebt mit seiner Frau und den zwei Kindern mitten in der Stadt, unterstützt den örtlichen Sportverein – so großzügig, dass dieser seine neue Turnhalle nach ihm benannt hat. Dahinter stecken unternehmerisches Verantwortungsbewusstsein, die Leidenschaft für Handball und Tischtennis, aber auch ein wenig Marketing in eigener Sache. „Die wenigsten in Idstein wissen wahrscheinlich, wer wir sind und was wir tun“, sagt Schillings. Dabei stecke doch mindestens in ihrem Auto Knowhow aus der eigenen Stadt.
INGA JANOVIC

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