Aikido

12. – 14.05.2017
Erivan-Haub-Halle, Idstein
Lehrgang mit Jacques Bonemaison, 7. Dan

 

 


Neujahrsbrief von Jacques Bonemaison

                                                                                            Gandelain, erster Januar 2017

Ein sehr gutes Jahr 2017 !

Das Wetter ist unberechenbar, sagt man, und verursacht tausend Unglücksfälle, zu welchen sich noch Gewalttaten aller Art hinzufügen; Attentate, wachsende Verständnislosigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen; alles dies erzeugt Angst und Schrecken vor der Zukunft. Eine einfache Antwort auf die Gewalt – und die erscheint oft bevorzugt – wäre die Gewalt selbst, als ob die Weisheit ein Luxus sei, auf den man sich nur beziehen könnte, wenn alles gut geht …

In diesem Zusammenhang wird, vor allem durch bestimmte Medien, eine Atmosphäre der Angst unterhalten, und die Versuchung ist groß, ihr nachzugeben …

Jedoch, diese oberflächlichen Reaktionen werden den Kreislauf der Gewalt nicht unterbrechen können. Hat Gandhi nicht zu einem Zeitpunkt extremer Gewalt einmal geäußert: „Wenn alle Welt diesen Grundsatz – Auge um Auge, Zahn um Zahn – befolgen würde, dann wäre die ganze Welt blind und zahnlos“.

Diese Äußerung jenes großen Mannes erinnert mich an folgende afrikanische Geschichte: ein riesiger Waldbrand hielt eine ganze Gegend umfasst und alle Tiere, von den größten bis zu den kleinsten, verließen in Eile unter Anführung ihres Chefs, dem Löwen, die Feuersbrunst, als dieser einen ganz kleinen Vogel in entgegengesetzter Richtung vorbei fliegen sah. Es war ein Kolibri, der ein Tröpfchen Wasser in seinem Schnabel trug. Der Löwe, amüsiert und ein wenig spöttisch, fragte ihn, warum er sich in Richtung des Feuers bewegte, anstatt zu flüchten wie all die anderen Tiere. « Ich bringe Wasser, um das Feuer zu löschen » antwortete er. Der Löwe fand diese Einstellung lächerlich und schimpfte: « Es ist doch nicht mit einem Tropfen Wasser getan, dass das Feuer bezwungen werden könnte!». Der Kolibri, ohne seinen Flug zu verlangsamen, fügte einfach hinzu: « Ich leiste nur meinen Beitrag ».

Wenn wir unseren Blick über den Anschein hinausrichten und die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit betrachten, werden wir entdecken, dass die « kleinen Kolibris » immer zahlreicher werden.

Während der Japanreise, die letzten Herbst von der FFAB organisiert wurde, hatten wir in dem Zug, der die Berge von Takasaki zu dem Dorf Minakami durchquerte, eine ungewöhnliche Begegnung. Nach einem kurzen, aber intensiven Meinungsaustausch hat ein Reisender eine Kalligraphie über Aikido gemalt und schenkte sie uns. Es war ein Shodo-Meister, der Aikido so darstellte: «Der Weg, der die ursprüngliche Liebe schenkt, sie leben und wachsen lässt». Dann verließ er den Zug …
Doch, was er uns hinterließ, ist die Wahrnehmung, die wissende Menschen von unserer Disziplin* haben. Ein bewegender Aufruf an uns, ein Aufruf, der bestärkt, aber auch der Verantwortung bewusst macht.

Im Hinblick auf die Botschaft von O’Sensei, wunderbar durch Tamura Sensei weitergegeben, erscheint es so, dass die Aikidoka eingeladen sind, die Kolibris zu sein, die « ihren Beitrag leisten ».

So ist der größte Wunsch, den ich äußere, dass 2017 ein Jahr sei, in dem wir alle die Stärke dieser Überzeugung haben und dass sie mit Freude mit unserem Umfeld geteilt werde.

Ich wünsche euch allen und denen, die euch nahe stehen, ein hervorragendes Jahr 2017.

Jacques Bonemaison

(Übersetzung aus dem Französischen: Philippe Jaeger und Marion Schäfer)