Auszeit nehmen mit Freiwilligendienst

Idsteiner Zeitung vom 28.12.2021
Beim TV Idstein absolvieren zwei Sportbegeisterte ihr Freiwilliges Soziales Jahr / Mix aus Büroarbeit und Trainertätigkeit

Belanna Assenheimer (mit roter Jacke, links) und Aaron Makombo (mit roter Jacke, rechts) leiten eigene Turnstunden beim TV Idstein. – Foto: Mallmann/AMP

Von Dominik Theis
DSTEIN. „Es ist die Unterstufe zum richtigen Leben.“ Zu dieser Erkenntnis ist Aaron Makombo vier Monate nach Beginn seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) gekommen, das der 19-Jährige seit September beim TV Idstein ableistet. Dort ist der Wörsdorfer nicht alleine, denn die drei Jahre jüngere Belanna Assenheimer hat zeitgleich als Freiwilligendienstlerin beim Idsteiner Breitensportverein angefangen.

Der Arbeitstag der beiden Sportbegeisterten beginnt mit dem „morgendlichen Rundgang“ in der Erivan-Haub-Halle. Assenheimer und Makombo überprüfen, ob im Sportzentrum des TV Idstein alles in Ordnung ist oder noch Dinge erledigt werden müssen, wie das Auffüllen der Desinfektionsmittelspender. Zurück im Büro beantworten die beiden Sportbegeisterten E-Mails zu Anfragen und Reservierungen, planen die Hallenbelegung und sind für den Bestand des vereinseigenen Bistros zuständig. „Der spannendere Teil kommt dann am Nachmittag, wenn wir bei den Sportkursen dabei sind. Das macht mir am meisten Spaß“, erklärt Assenheimer.

„Wichtige Erfahrungen als Übungsleiter sammeln”

Die beiden FSJler leiten gemeinsam das Eltern-Kind-Turnen im Verein und die Badminton-AG in der Limesschule in Idstein. „Das sind unsere eigenen Sportstunden, die wir selbst planen und durchführen. Ich hätte vor dem FSJ niemals gedacht, dass es so zeitintensiv ist, eine Trainingseinheit zu planen“, erzählt Makombo, der selbst beim TV Idstein Badminton spielt.

Der Wörsdorfer ist neben den Turnstunden auch noch als Trainerassistent in Handball- und Tischtenniskursen eingeplant und leitet selbstständig Badmintonkurse. Letztere waren auch der Beweggrund für ihn, sich für einen Freiwilligendienst beim
TV Idstein zu entscheiden. „Nach dem Abitur wusste ich überhaupt nicht, was ich machen sollte. Mein Badmintontrainer kam in der Zeit auf mich zu und meinte: “Du kannst doch gut erklären und eignest dich als Übungsleiter. Wie wäre es mit einem FSJ im Verein?!“ Für Makombo klang es vielversprechend, viel Zeit mit Sport zu verbringen und gleichzeitig in das Berufsleben hineinzuschnuppern.

Auch für die turnbegeisterte Assenheimer. sei das FSJ eine „gute Möglichkeit“, herauszufinden, was sie in ihrem Leben machen möchte. Die Nieder-seelbacherin ist nach der 10. Klasse mit Realschulabschluss abgegangen und war sich unsicher, ob eine Ausbildung oder doch das Fachabitur die richtige Wahl ist. „Ich bin sportlich sehr aktiv, war auch schon Übungsleiterin beim TV Niederseelbach und kenne mich im Sport aus“, erklärt Assenheimer ihre Gedankengänge. Sie begab sich auf der Internetseite der Sportjugend Hessen, die als Träger für ein
Freiwilliges Soziales Jahr im Sport fungiert, auf die Suche nach einer geeigneten Einsatzstelle. In Idstein habe sie die gefunden, denn sie könne neben den Turnkursen auch noch bei Badminton- und Tanzkursen mitwirken. Eines sei ihr aber auch klar geworden: „Ich möchte später nicht “ im Sportbereich arbeiten, sondern viel lieber im Berufsfeld von Medien und Gestaltung“, offenbart die künstlerisch aktive Assenheimer.

Weg vom Sport führt es auch ihren FSJ-Kollegen Makombo, der ein Studium der Wirtschaftspsychologie in der Rhein-Main-Region anpeilt. Für beide hänge die berufliche Abkehr vom Sport nicht mit dem FSJ zusammen. Das Jahr abseits von Schularbeiten und Hausaufgabenüberprüfungen habe ihnen die Zeit gegeben, sich selbst zu reflektieren und sich ihren großen Vorlieben bewusst zu werden. „Ich habe gelernt, Verantwortung für eine Gruppe zu übernehmen und permanent vor vielen Menschen zu sprechen“, hebt Makombo hervor. „Mittlerweile brauche ich nicht mehr zehn Minuten, um etwas zu erklären, sondern mit der nötigen Routine geht es auch in zwei Minuten oder kürzer.“ Auch Assenheimer nimmt gewisse Sozialkompetenzen aus dem Freiwilligenjahr mit. Für sie sei es am Anfang nicht leicht gewesen, sich in einer Gruppe tobender Kinder durchzusetzen. Mittlerweile sei das für sie zur Routine geworden, auch weil aus ihrer Sicht die Übungsleiter des Turnvereins gut unterstützten.

FREIWILLIGENDIENST
► Neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) gibt es in Hessen weitere Angebote: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), Bundesfreiwilligendienst (BFD), Generationenübergreifender Freiwilligendienst (FDaG).
► Nähere Informationen sind unter www.soziales.hessen.de/Soziales/Freiwilligendienste zu finden.

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