Das schwierige Geschäft Leistungssport

Wiesbadener Kurier vom 10.09.2021
Nach dem Rückzug des Idsteiner Regionalligateams zieht sich auch Basketballboss Sascha Schneider zurück

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Regionalliga-Basketball, wie hier in unserem Bild aus dem Oktober 2020, wird es in Idstein wohl auf längere Sicht nicht geben. In dieser Saison sind Teams in der A- und C-Liga geplant. – Archivfoto: Vigneron

Von Martin Gebhard
IDSTEIN. Wenn man einmal von den Rhine River Rhinos, den Bundesliga-Rollstuhlbasketballern aus Wiesbaden absieht, ist der TV Idstein seit Jahren der erfolgreichste Basketballclub in der Region. Zuletzt ging die erste Mannschaft vom Hexenturm in der 1. Regionalliga auf Korbjagd – nach einem steilen Aufstieg. Doch dann kam der große Knick. Zur Erinnerung: Erst verließ Trainer Igor Starcevic die Warlocks, dann zog der TVI seine erste Mannschaft ganz zurück (wir berichteten).

2022 wäre ein Wiedereinstieg in der 2. Regionalliga möglich

Die Vorstellungen von Coach und Verein deckten sich nicht mehr. Und schließlich spielte in beiden Fällen das liebe Geld keine unbedeutende Rolle. Ein kleiner, wenn auch schwacher Trost: Die Basketballer müssen nicht ganz unten wieder anfangen, sondern könnten – sollten die Idsteiner den Spielbetrieb mit ihrer Mannschaft in der Saison 2022/2023 wieder aufnehmen wollen – in der 2. Regionalliga einen Neubeginn wagen. Aktuell verbleiben im Aktivenbereich je ein Team in der A- und C-Klasse.

Doch nun gibt es erst einmal eine weitere personelle Baustelle. „Ich bin von meinem Amt als Abteilungsleiter zurückgetreten“, informierte Sascha Schneider diese Zeitung. „Der Grund ist die Belastung in meinem Hauptjob.“ Immerhin: Schneider bietet in der „Übergangszeit“ seine Hilfe an. Was aber noch eine nicht unbedeutende Rolle für Schneiders Weggang gespielt haben könnte, erläutert TVI-Vorstands-sprecher Andreas Reuther: „Die Abteilungsleiter sind oftmals auf sich alleine gestellt.“ Das funktioniere im Ehrenamt aber allenfalls auf breitensportlicher Ebene, nicht aber im Leistungssport. Eine Weiterführung des Erstregionalligisten sei sicher auch daran gescheitert, erläutert Reuther, dass viele Verantwortliche und Spieler nicht aus der näheren Umgebung hätten anreisen können. Für den

Vereinsboss ist der Weggang Schneiders jedenfalls ein schwerer Verlust: „Schneider könnte mit seinen Fähigkeiten sicher auch in der ersten oder zweiten Bundesliga wirken.“ Der Verein bedauere aber auch, dass nicht genug Geld zur Verfügung gestanden habe, um die erste Mannschaft zu halten. Nötige finanzielle Unterstützung sei durch Sponsoren nicht zu bekommen gewesen, räumte Reuther ein. Dabei hatte der Trend auch in der 1. Regionalliga für den TVI stark nach oben gezeigt. Aufgrund ihres erfolgreichen Abschneidens habe der Deutsche Basketball-Bund dem TVI sogar ein Angebot für die Pro B (untere Stufe der Zweiten Liga) unterbreitet. Aber das wäre wohl daran gescheitert, so Reuther, dass der erforderliche Unterbau bei den Nachwuchsteams (noch) nicht den Ansprüchen genügt hätte.

Doch Basketball wird beim TVI weitergespielt und laut Reuther laufen die Planungen für die verbliebenen Mannschaften gut an. Zumindest in naher Zukunft ist die A-Liga-Mannschaft das Aushängeschild: Es gibt noch ein Team in der C-Klasse und als Perspektive vier Jugendmannschaften von der U18 bis U12. Für die Mannschaft in der A-Klasse haben wir mit Marian Meyer einen neuen Trainer gewinnen können“, freut sich Reuther. „Außerdem bleibt die Mannschaft zusammen.“

Reuther: Null Reaktionen auf den Rückzug des Teams

Die Organisation der Basketballabteilung liege – bis hoffentlich bald ein Nachfolger für Schneider gefunden werde – bei der Geschäftsstelle des TVI. „Wir arbeiten an einer längerfristigen Konzeption.“ Was Reuther etwas verwunderte: „Es gab quasi null Reaktionen auf den Rückzug der ersten Mannschaft.“ Immerhin: Der TVI sei aufgeschlossen für einen Neuaufbau, betont Reuther. „Aber es ist ein zähes Geschäft, im Leistungssport von unten wieder aufzubauen.“

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