Die Lust ist groß, der Glaube klein

Viele heimische Handballer vermuten, dass sie diese Saison gar nicht mehr spielen werden.
Wiesbadener Kurier vom 20.22.2020

Von Susan Dobias

WIESBADEN. Die Wehmut der Wiesbadener Handballer ist groß und sie könnte noch größer werden. Denn der Start in die neue Saison ist mehr als fraglich. Die Corona-Zahlen sind eindeutig. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in der Landeshauptstadt und Umgebung deutlich über dem Grenzwert 50. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir diese Saison noch spielen. Meiner Meinung nach wird das nichts mehr“, sagt Hans-Josef Embs, Trainer von TuS Dotzheim. Er bedauert die Situation und bezeichnet sie als bitter.

Ein Bild, das es auch in nächster Zeit nicht geben wird: Handball, wie hier in Breckenheim, und dies auch noch vor dicht gedrängten Zuschauern.                 Archivoto: Jörg Halisch

Beim Oberliga-Konkurrenten HSG Breckenheim Wallau/Massenheim sieht man das ähnlich. „Wir harren der Dinge, aber ich glaube nicht, dass es losgeht. Ich sehe es als realistisch an, dass wir erst in der nächsten Saison eine vernünftige Runde spielen können“, erklärt Coach Gilles Lorenz. „Uns allen fehlt der Handball, aber unter diesen Bedingungen wollen wir keinen Wettkampf.“

Aktuell plant der Hessische Handballverband (HHV), im Januar mit einer einfachen Runde zu starten. Alexander Müller von der HSG VfR/Eintracht Wiesbaden sieht „keine realistische Chance“, dass dies passieren wird. „Wenn man die Zahlen sieht, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir demnächst in die Nähe von 50 kommen.“
Dazu kommt, dass die Bundesregierung aller Voraussicht nach die Corona-Maßnahmen
nächste Woche noch einmal verschärfen wird. An Amateursport dürfte dann bei stärkeren Kontaktbeschränkungen – möglicherweise über den Dezember hinaus – nicht mehr zu denken sein. Je weiter der Saisonstart verschoben wird, um so unwahrscheinlicher ist die Durchführung – vor allem aus Zeitgründen.

Die aktuelle Pause verbringen die Teams unterschiedlich. Die Spieler der HSG VfR/Eintracht wie auch die der TG Kastei sehen sich mindestens einmal wöchentlich eine Stunde per Video zum Fitness-Training. In Wiesbaden sind Alex Müller und Lorenz Engel die „Vorturner“. „Mit dabei ist auch die A-Jugend. „Alle sind ganz heiß darauf, denn sonst kann man ja nichts zusammen machen. Teilweise sind wir bis zu 40 Leute. Und da will sich keiner eine Blöße geben“, erzählt Müller lachend. Zwei Flaschen Wasser, ein Stuhl und ein Theraband bringen dabei viel Freude und sorgen für reichlich Schweiß. Ähnlich läuft es in Kastel, wo sich teilweise der komplette Verein zu gemeinsamen Übungseinheiten vor den Bildschirmen trifft. „Wir alle vermissen den Handball und die Teamkollegen. Uns fehlt der Austausch, ein Treffen, einfach mal zusammen zu sitzen“, sagt Kastels Coach Kalli Klein.

Breckenheim, Dotzheim und der TV Idstein haben den Sport fast komplett runtergefahren. Die Spieler halten sich daheim individuell mit Joggen und Stabilitätsübungen fit. „Wir versuchen, die Zeit sinnvoll zu nutzen und die Wehwehchen zu kurieren. Ich lasse momentan aber eher eine lange Leine“, sagt Idsteins Coach Jan Welsch.

Oberliga in zwei Staffeln und Landesliga in Einfachrunde?

Einem Rundenstart stehen alle Teams mit gemischten Gefühlen entgegen. Während die Oberligisten eine Runde mit zwei Staffeln (Nord und Süd) bevorzugen, sehen die Landesligisten – wenn überhaupt eine einfache Runde als realistischer an. Trotz der Sorge über eine mögliche Wettbewerbsverzerrung. „Auch eine einfache Runde kann heftig benachteiligen. Man kann, gerade was die Ansetzungen betrifft, enorm viel Pech haben. Daher würde ich es vermeiden, ein Abstiegsszenario zu haben. Aufstiegsspiele würde ich allerdings ermöglichen. Vielleicht in Form v,on Play-Off-Spielen“, bemerkt Müller.

Einigkeit herrscht bei den Teams vor allem in einem Punkt: „Die Gesundheit geht vor. Man sollte kein Risiko eingehen“, sagt Klein stellvertretend für alle.

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