Geisterspiele würden Handballer hart treffen

Wiesbadner Kurier vom 03.09.2021
Heimische Landesligisten freuen sich trotz der Ungewissheit, ob Fans ab Ende Oktober in die Halle dürfen, auf die neue Saison

Handball mit vollem Einsatz und vollen Rängen, wie hier beim Vor-Corona-Duell TG Kastei gegen TV Idstein. Das wünschen sich die Landesligisten sehnlich zurück. – Archivfoto: rscp/Ulrich Scherbaum

Von Susan Dobias
WIESBADEN. Der Optimismus und die Vorfreude auf eine Spielzeit ist bei den HandballLandesligisten aus dem Wiesbadener Raum groß. Niemand rechnet aktuell mit einer erneuten Absage. Entsprechend ist bei der HSG VfR/Eintracht Wiesbaden, dem TV Idstein, der TG Kastei und der HSG Ep-pLa die intensive Phase der Saisonvorbereitung angelaufen. Erste Testspiele wurden absolviert. Alle gehen mit einem guten Gefühl in die Spiele und Trainingseinheiten, denn die Impfquote ist hoch. Fast alle Spieler erfüllen die 2G-Regel -sind entweder geimpft oder genesen. Lücken gibt es kaum. In Kastei wird aus Sicherheitsgründen zusätzlich noch vor jedem Zusammentreffen ein Selbsttest durchgeführt. „Wir haben alle viele Kontakte und man kann sich immer noch anstecken. Von daher ist das sehr beruhigend“, sagt Coach Kalli Klein.

Moritz Schubert bleibt Idstein erhalten: So können er und seine Trainerkollegen an den handballspezifischen Dingen und mit Vollkontakt ohne Sorge arbeiten. Die Trainingsintensität ist hoch, der Wille enorm. Verletzungen sind kaum zu beklagen. In Idstein hat Torjäger Moritz Schubert nach reiflicher Überlegung für eine weitere Saison zugesagt. In Kastei sind die Jungväter Sven Schiebeier und Cornelius Munk wieder an Bord, nachdem sie sich vor der vergangenen Saison wegen der Geburt ihrer Kinder und wegen Corona zurückgezogen hatten. Patrick Schult hingegen hat aufgehört, wird nun als Betreuer fungieren und für den neuen Damentrainer Michael Finger in den Stab wechseln.

Einzig die Ungewissheit stört ein wenig. Prognosen zum geplanten Saisonstart Ende Oktober wollte kein Coach abgeben. „Die Vorgaben wechseln wie der Wind. Ich sehe aber keinen Grund, die Saison nicht zu spielen. Es gibt genügend Tests, der Impffortschritt ist hoch“, sagt Wiesbadens Trainer Alex Müller. Auflagen werde es geben, die dann eingehalten werden müssten. Am 31. Oktober treffen im ersten Spiel der Staffel 2 Eppla und Wiesbaden aufeinander. Kastei und Idstein starten nach einer Spielverlegung dann am ersten November-Wochenende in die neue Runde. „Die Vorfreude ist riesig. Jeder will nach so langer Zeit endlich wieder spielen“, sagt Idsteins Coach Jan Welsch.

Für Zuschauer soll 3G-Regel gelten: Alle Vereine werden dabei Stand heute die 3G-Regel umsetzen. Das heißt, es werden zu den jeweiligen Spielen neben Geimpften und Genesenen auch Fans mit einem negativen Test eingelassen. Wie viele Zuschauer letztlich die Begegnungen sehen dürfen, steht noch in den Sternen. Diese Ungewissheit nagt an den Verantwortlichen. “Der Verein würde schon gern wissen, wie viele reinkommen dürfen“, sagt Thomas Gölzenleuchter, Coach der HSG EppLa.

Doch was passiert, wenn es doch zu Geisterspielen kommt? Dann brechen wichtige Einnahmen wie Eintrittsgelder und Verköstigungserlöse weg. Spielbetriebskosten wie für den Schiedsrichter, den Zeitnehmer, Spielklassenbeiträge und Materialkosten fallen dennoch an. „Da ist vielleicht auch der Verband gefordert, ob er schauen kann, den Kostenapparat zu senken“, sagt Müller. „Es wäre schade, wenn eine zweite oder dritte Mannschaft nicht starten kann, weil an den Kosten gespart werden muss.“ In Idstein beispielsweise rechnet man aktuell mit einer Hallenbelegung von rund 150 Zuschauern. Damit wären die gröbsten Ausgaben gedeckt. Sollten Zuschauer verboten werden, ist Abteilungsleiter Frank Stübing optimistisch, dass der Verein sich „kulant zeigt und uns das ein Jahr ermöglicht“. Durch die Staffeleinteilung nach lokalen Gesichtspunkten hofft er zudem auf geringere Schiedsrichterkosten.

In Kastei sollen auch Vereinsmitglieder Eintritt bezahlen: In Kastei wird der Verein wegen der zu erwartenden limitierten Sitzplätze und Einschränkungen im Verkauf und der dadurch fehlenden Einnahmen bei Spielen auch von Vereinsmitgliedern Eintrittsgelder verlangen. Diese sind allerdings niedriger als von Nichtmitgliedern. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind davon ausgenommen. Damit der Verlust nicht noch größer wird, hofft daher auch Abteilungsleiter Gilbert Geiger auf Fans in der Halle. „Ohne sie wäre es schwer zu handhaben, das würde uns als kleinen Verein hart treffen. Immerhin fallen pro Jahr mehrere tausend Euro Schiedsrichterkosten an“, gibt er zu bedenken. Dennoch würden auch dann alle Kasteler Teams die Saison zu Ende spielen. Am liebsten natürlich mit lautstarker Unterstützung. Da sind sich alle einig: Stimmung in der Halle sei einfach wunderbar und setze zusätzliche Energien frei.

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