Die Favoritenrolle will keiner

Wiesbadener Kurier vom 29.11.2019 –
TVI-Trainer Jan Welsch und HSG-Coach Alex Müller vor dem Landesliga-Derby über alte Zeiten und aktuelle Chancen

Früher als Spieler, nun als Trainer: 2011 stand Alexander Müller (r.) für die VfR/Eintracht noch selbst auf der Platte – und versucht auf dem Bild mit Simon Engel, Idsteins Welsch zu stoppen           Archivfoto: rscp

IDSTEIN. Derby-Zeit in Idstein: Der TVI brennt auf das Landesliga-Duell mit den Handballern der HSG VfR/Eintracht Wiesbaden am Samstag (17 Uhr) in der Sporthalle am Hexenturm. „Wir freuen uns unheimlich auf dieses Spiel. Das ist eine tolle Sache“, sagt Idsteins Coach Jan Welsch. Vor Jahresfrist trennten sein Team und die Wiesbadener zwei Ligen, in der Tabelle schlägt sich das aktuell aber nicht nieder. Der Aufsteiger aus Idstein spielt eine überragende Saison und ist Tabellenzweiter. Die HSG (4.) hat sich nach dem Oberliga-Abstieg und Startschwierigkeiten in der Landesliga gefangen, ist seit mittlerweile sechs Partien ohne Niederlage. Mit einem erneuten Sieg könnten die Wiesbadener in der Tabelle mit Idstein nach Punkten gleichziehen. Vor dem Spiel haben wir den Trainern Jan Welsch (TVI) und Alexander Müller (HSG) fünf Fragen gestellt:

INTERVIEW

Herr Welsch, Herr Müller Sie sind beide ehemalige Handballer. Haben Sie schon gegeneinander gespielt?
Welsch: Ja, klar. An Alex erinnere ich mich als sehr resoluten Abwehrspieler. Er war immer sehr ehrgeizig.
Müller: Jan war immer ein sehr ruhiger, sportlich fairer und angenehmer Typ.

Wie schätzen Sie Ihren Gegner ein?
Welsch: Sie sind so stark, wie sie momentan spielen. Vielleicht haben sie die Liga anfangs unterschätzt oder sind nicht richtig reingekommen. Aber jetzt haben sie einen Lauf und zeigen, was in ihnen steckt. Sie haben großes Potenzial in der Mannschaft und viele erfahrene Spieler.
Müller: Ich hätte Idstein nicht auf dem zweiten Platz erwartet. Ich war mir aber sicher, dass sie bei der Besetzung mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden. Sie spielen einen guten, strukturierten Handball und bringen ihre Stärken zur Geltung. Sie sind auf allen Positionen torgefährlich, sehr diszipliniert und in der Abwehr physisch präsent.

Wo sehen Sie Vorteile, wo liegen die Nachteile für Ihre Mannschaft?
Welsch: Wir haben keinen Druck, da wir uns eine hervorragende Ausgangssituation erspielt haben. Das wird bei Wiesbaden vielleicht anders sein. Und wir haben ein Heimspiel, die Zuschauer im Rücken. Das gestaltet die Sache ein Stück weit einfacher. Wir kommen über die mannschaftliche Geschlossenheit. Vom Kader her hat Wiesbaden richtig gute Qualität. Das ist eine sehr sehr starke, erfahrene Mannschaft.
Müller: Vorteile könnten wir im Bereich Dynamik haben, Nachteile vielleicht in der Physis. Wir müssen Idsteins Stärken bekämpfen und unsere Möglichkeiten ausschöpfen. Als Favorit sehe ich uns jedenfalls nicht, zumal wir auswärts spielen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Welsch: Wir sind der Außenseiter. Für uns wird es ein entspanntes Spiel. Wir können befreit aufspielen – aber wollen für eine Überraschung sorgen. Vielleicht schaffen wir es, ihnen ein Bein zu stellen.
Müller: Idstein hat in den vergangenen zwei Jahren daheim nur ein Spiel verloren. Der Ausgang des Spiels wird von der Tagesform abhängen.

Jan Welsch Foto: Welsch        Alexander Müller Foto: Neumann

Können Sie personell aus dem Vollen schöpfen?
Welsch: Wie viele Mannschaften haben wir einige Krankheitsfälle. Fraglich ist noch mein Bruder David. Ich hoffe aber, dass alle rechtzeitig fit sind und wir mit einer breit aufgestellten Mannschaft antreten können.
Müller: Tim Hieronimus hat eine Hüftprellung, Lucas Jenne laboriert an einer Brustwirbelverletzung. Beide sind noch fraglich. Ansonsten hoffe ich, dass niemand mehr krank wird.

Die Fragen stellte Susan Dobias.

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