„Hessen steht zusammen“

Wiesbadener Kurier vom 15.11.2022
Ministerpräsident stellt neues Hilfsprogramm für Sportvereine in der Energiekrise vor – doch der LSBH warnt weiter

Von Katja Sturm
FRANKFURT. Darüber, wie wichtig der Sport für die Gesellschaft ist, hat Juliane Kuhlmann Politiker aller Couleur schon reflektieren hören, bevor die 45-Jährige im Juni das Amt der Präsidentin des Landessportbundes Hessen (LSBH) antrat. Doch jetzt, da vielen Vereinen wegen der Energiekrise das Wasser bis zum Hals steht, musste die erste Frau an der Spitze der Dachorganisation des organisierten Sports feststellen, dass der Wert der Arbeit, die in den Vereinen geleistet wird, offenbar noch nicht klar genug geworden ist. „Wir müssen noch ausdauernder, noch umfassender, noch klarer, noch politischer darauf hin-weisen“, betonte Kuhlmann bei der ersten Hauptausschuss-sitzung des LSBH in Frankfurt, die sie in der neuen Position leitete.

Die Aussage resultierte aus den Erfahrungen der vergangenen Monate, von denen der hessische Ministerpräsident Boris Rhein als Gast der Tagung zuvor ein paar zusammengefasst hatte. Auf Bundesebene sei der Sport bei der Ankündigung von Hilfen erst gar nicht, dann auf Druck nur „diffus“ und erst im dritten Schritt berücksichtigt worden. Allerdings vermisst Rhein eine Gleichstellung mit der Kultur und entsprechende Regelungen für Härtefälle.

Statt auf weitere Bewegung zu warten, werde man im eigenen Land ein neues Programm auflegen, das „passgenau Dinge regelt, die der Bund nicht geregelt hat“. Dank „Hessen steht zusammen“, so der Name, brauche sich keiner allein gelassen fühlen. „Niemand muss sich Sorgen machen um Kosten, die er nicht bewältigen kann“, erklärte der CDU-Politiker.

Die gute Nachricht wurde von den 200 Delegierten aus Fachverbänden und Sportkreisen gerne gehört. „Ohne .Finanzhilfen von Bund und Land gehen in vielen Vereinen die Lichter aus“, betonte Kuhlmann. „Das ist ein Fakt, der nicht wegzuwischen ist.“

Die Energiekrise mache den Sportvereinen in Hessen mehr zu schaffen als die Coronavi-
rus-Pandemie. „Der Problemdruck ist wesentlich größer, und die finanziellen Folgen sind deutlich massiver und zerstörerischer“, so Kuhlmann. Maßnahmen, die bereits ergriffen wurden, um die Kostenlücken zu schließen, darunter die Umsetzung von Energiespar-empfehlungen oder auch Beitragserhöhungen, reichten nicht aus, um alle Defizite zu beseitigen. Zumal durch die Coronavirus-Krise schon „Blessuren“ entstanden waren. Diese sind immerhin schon auf dem Weg der Heilung, zumindest was die Mitgliederzahlen angeht. Nach den Rückgängen in den vergangenen beiden Jahren, in denen Sport zeitweise gar nicht oder nur unter größeren Einschränkungen möglich war, konnte der LSBH laut Kuhlmann als einer von ganz wenigen Landessportbünden wieder „einen kleinen Zuwachs“ registrieren.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine wirft aber bei der Hallennutzung schon wieder neue Probleme auf. In mehr als 40 Sportstätten hessenweit tragen Vereine laut Kuhlmann die Unterbringung von Flüchtlingen solidarisch mit, obwohl diese ihnen erneut zu Nachteilen gereicht. Genau derartige Hilfsbereitschaft samt Engagement im Bereich der Integration machen einen Teil dessen aus, wofür die Vereine stehen und zu schätzen sind.

Rhein drückte seine Anerkennung mithilfe eines Schecks über eine Summe von knapp 1,3 Millionen Euro aus, die er für die Bezuschussung und Qualifikation von Übungsleitern mitbrachte. Als er gegangen war, machte Kuhlmann klar, dass sie und ihre Kollegen beim LSBH genau verfolgen werden, wie das angekündigte Zusatzprogramm umgesetzt wird. Solange es nicht das bringe, was man erwarten dürfe, werde man den Verantwortlichen weiter „beharrlich auf den Füßen stehen“.

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