Hitzig hoch zehn

Wiesbadener Kurier vom 02.12.2019
Landesliga-Derby geht nach heißen 60 Minuten an den TV Idstein / David Welsch in die Klinik

Von Susan Dobias
IDSTEIN . Für Jonas Cremers und Leon Walter endete das Derby nach einer Roten Karte vorzeitig, für David Welsch im Krankenhaus. Das umkämpfte Handball-Landesliga-Derby zwischen dem TV Idstein und der HSG VfR/Eintracht Wiesbaden brachte die Akteure an ihre physischen Grenzen. Nach dem 37:32 (16:13)-Sieg für Idstein haderten beide Teams mit den Unparteiischen, die mit fragwürdigen Entscheidungen zur hitzigen Hallenatmosphäre beitrugen.

18 Zeitstrafen, 15 Siebenmeter:
Insgesamt 18, zumindest relativ gleich verteilte Zeitstrafen, 13 davon im zweiten Durchgang und noch 15 Siebenmeter wurden gegeben. Das hemmte den Spielfluss enorm. Wiesbadens Coach Alexander Müller sprach von Herausstellungen, die irgendwo in der Fabelwelt lagen. „Bei manchen Zeitstrafen wusste ich gar nicht, warum es sie gab“, sagte Müller. Ähnliches Unverständnis äußerte Jan Welsch. Dem Idsteiner Trainer stand nicht nur einmal die Ungläubigkeit ins Gesicht geschrieben. Genau wie bei zahlreichen harten Zweikämpfen. David Welsch sah nach einem Schlag bereits in der ersten Halbzeit nur noch verschleiert auf seinem linken Auge, ein weiterer Check brachte ihn mit zugeschwollenem Auge ins Krankenhaus. „Zum Glück ist nichts gebrochen. Ob was in Richtung Netzhaut ist, muss man abwarten. Erst muss die Schwellung zurückgehen“, gab Jan Welsch eine erste Entwarnung am Sonntag. Allen Umständen zum Trotz ging letztlich Idstein als verdienter Sieger vom Feld. Wiesbaden verpasste es nach gutem Beginn, frühzeitig nachzulegen. So konnte sich Idstein zurückkämpfen und vorlegen. „Über die Lethargie im ersten Durchgang muss man sprechen. Das war ein bisschen wenig Power“, erklärte HSGler Danic Seiwert. Die Gastgeber hingegen ließen sich nicht einmal nach Rot für Spielmacher und Abwehrstratege Jonas Cremers (21./Foulspiel) beeindrucken. „Es gab diverse Herausforderungen in Angriff und Abwehr, die wir hervorragend gemeistert haben. Es war eine super Teamleistung“, sagte Jan Welsch.

Torhüterleistung entscheidet:
Nach dem Wiederanpfiff legte Idstein den Grundstein zum Erfolg. „Es war eine unglaubliche Leistung von uns allen. Jeder hat für jeden gekämpft. Selbst die mehrfache doppelte Unterzahl haben wir gut kompensiert“, erklärte TV-Kreisläufer Berkan Kocak. Den Unterschied an diesem Tag machten letztlich die Torhüter. Während bei Idstein Paul Kaufmann und später in einer ganz wichtigen Phase Clemens Zumdick ihren Kasten vernagelten, erwischte Jannik Gippert im Gästetor einen rabenschwarzen Tag. „Ich sage es ganz ungern und es tut mir auch leid, aber wir haben das Spiel auf der Torhüterposition verloren“, bilanzierte Müller.

TVI: Kaufmann, Zumdick; Grandpierre (6), Timmermann, Engel, Flock, Schulz (5), Kocak (6), Bierod, J. Cremers (1), D. Welsch (3), Völlger (2), Moritz Schubert (13/5), Kopp (1).
HSG: Gippert, Haas; Kirchmeier (7/4), Jenne (1), Walter (1), Rausch, Garbo (3/1), Seiwert (6/2), Hieronimus, Schreiber, Engel (4/1), Stadermann (2), Henkelmann (8), Schmelzer. – Disqualifikation. – J. Cremers (21./Foul) / L. Walter (52./3. Zeitstrafe).

Bei Motitz und Moritz in der Mangel: VfR/Eintrachtler Pascal Henkelmann wird vom Idsteiner Toptorschützen Moritz Schubert (links) sowie von Moritz Vällger gebremst. Der TVI gewinnt das Derby mit 37:32.                                                                    Foto: rscp/Ulrich Scherbaum

 

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