Lieber erst im Oktober starten

Wiesbadener Kurier vom 23.07.2020 –
Viele Handball-Verantwortliche der heimischen Vereine sehen Beginn im September aus mehreren Gründen skeptisch

Von Susan Dobias
WIESBADEN. Die Spielpläne stehen, am 12. und 13. September soll der Startschuss für die Saison in der Handball-Oberliga und in der Landesliga erfolgen. Ob die Spielzeit dann tatsächlich angepfiffen wird und Zuschauer auf den Rängen sitzen dürfen, ist jedoch nicht sicher. Bisher hat das Land Hessen noch keine Freigabe für den Spiel- und Wettkampfbetrieb erteilt. Bis zum 16. August gilt vorerst noch die Regel, dass maximal zehn Personen ohne Mindestabstand gemeinsam Sport treiben dürfen. Die Oberligisten TuS Dotzheim und HSG Brecken-heim Wallau/Massenheim sowie die Landesligisten HSG VfR/Ein-tracht, TV Idstein und TG Kastei hoffen daher auf einen baldigen Bescheid, um endlich koordiniert in die Vorbereitung gehen zu können.

„Ich wäre froh, wenn es endlich mal zu einer Entscheidung kommt, gerade auch wegen der Trainingssteuerung“, sagt Kalli Klein, Trainer der TG Kastei. Damit spricht er seinen Kollegen aus der Seele. Auch wenn alle die Umstände kennen und die Situation akzeptieren, nervt die Ungewissheit und relative Tatenlosigkeit.

„Didaktisch und methodisch trainieren wir jetzt darauf hin, dass die Jungs zum Startpunkt topfit sind“, sagt Alex Müller, Coach der HSG 1 VfR/Eintracht Wiesbaden. Doch nicht nur er hat Bedenken, sollte sich der Start wegen Corona doch noch verschieben. „Dann nochmal ein paar Wochen neu anzuziehen ist schwer.“

Wie viele seiner Kollegen plädiert Müller deshalb für einen späteren Saisonbeginn im Oktober. „Niemand geht in der Vorbereitung in die Vollen. Keiner hat Bock, ohne Zuschauer zu spielen. Eigentlich müsste schon jetzt klar sein, dass wur im Oktober starten. So tut man keinem einen Gefallen“, meint er. Aus seiner Sicht wäre nur dann eine ordentliche Vorbereitung inklusive Testspielen möglich. Bis zu zehn Partien bestreiten die Teams normalerweise in der zweiten Phase. Bleibt der Starttermin Mitte September, könnten es maximal nur drei bis vier werden – vorausgesetzt, die Beschränkungen fallen.

„Es wird die Feinabstimmung fehlen. Eingespielte Mannschaften werden da sicherlich einen kleinen Vorteil haben“, sagt Dotzheims Coach Hans-Josef Embs, der dennoch einen regulären Saisonstart Mitte September bevorzugen würde. „Die Situation ist für jedes Team gleich. Wir versuchen, die Mannschaft so vorzubereiten, dass es am 12. September losgeht. Das wäre mir recht. Sonst geht es zu weit nach hinten raus, da sind schon wieder Spieler im Urlaub“, betont Embs. Müller war mit seinen Spielern seit dem Saisonabbruch im März noch gar nicht wieder in der Halle, Kastei und der TV Idstein nur ganz selten.

„Wir sind bis jetzt Slow Motion gefahren und werden uns erst langsam herantasten“, erklärt Müller. Im Ausdauerbereich sind seine Spieler wie auch die aus Breckenheim Wallau/MasSenheim, Dotzheim, Kastei und Idstein dank individuellen Trainings daheim oder in Kleingruppen bereits topfit. Auch wenn sie nicht gerade begeistert gewesen seien, immer im Wald zu rennen. „Irgendwas fehlt halt, wenn man nichts groß mit dem Ball machen kann“, sagt Müller. Spätestens Anfang August starten alle Teams in die zweite Vorbereitungsphase – dann soll es auch wieder handballspezifische Übungen geben. „Mal sehen, was wir hinbekommen und wie wir das Training gestalten. Momentan ist es vor allem für den Kopf schwierig. Alle bei Laune zu halten, ist schwer“, sagt Idsteins Coach Jan Welsch. Wie er bevorzugt auch Mathias Beer, Sportlicher Leiter der Ländches-HSG, einen Saisonstart im Oktober. Drei Wochen Vorbereitungszeit mit Spielen seien zu wenig. Hinzu kommt für alle Vereine eine existenzielle Frage: Dürfen die Fans zum Saisonstart in der Halle sitzen und wenn ja, wie viele? Die Zuschauer sorgen nicht nur für Stimmung, sondern auch wichtige Erlöse. „Wir sind extrem auf diese Einnahmen angewiesen“, sagt Beer. „Für uns kommen Spiele nur mit Zuschauern in Frage.“

OP BEI KAUFMANN
► Der TV Idstein muss voraussichtlich mehrere Wochen auf Paul Kaufmann verzichten. Der Torwart klagt schon länger über Hüftprobleme. Alles deutet momentan darauf hin, dass er operiert werden muss. „Das ist ein Nackenschlag für uns”, sagt Coach Jan Welsch. Somit wird Neuzugang Jobst Scheffer (TGS Langenhain) gleich gefordert.

 

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