Mannschaftssport ist wieder erlaubt

Wiesbadener Kurier vom 31.05.2021
An diesem Montag zündet im Rheingau-Taunus-Kreis die Stufe 2 der Landesregelung, die weitere Lockerungen mit sich bringt

Von Torsten Muders und Stephan Neumann
WIESBADEN/RHEINGAU-TAUNUS-KREIS. Es ist gar nicht so einfach für den Bürger, den Durchblick zu behalten. Wo gilt in Hessen denn nun noch die Bundesnotbremse? Wo ist Stufe 1 oder gar schon Stufe 2 der Landesregelung in Kraft?
Während Wiesbaden mit seinen lange Zeit höheren Inzidenzzahlen über 100 voraussichtlich erst am Mittwoch die Bundesnotbremse hinter sich lassen kann und in die Stufe 1 wechselt, ist der Rheingau-Taunus-Kreis schon ein gutes Stück weiter. An diesem Montag zündet die Stufe 2, weil die Inzidenzzahlen im Kreis nunmehr 14 Tage nach Beginn der Stufe 1 unter 100 blieben.

Was ist also konkret nun im Kreis für die Sportvereine und die Einzel- und Mannschaftssportler mehr und wieder möglich? Nachfolgend ein Überblick und einige Detailfragen, die der Landessportbund Hessen in Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport beantwortet hat.

Welche Regelungen gelten allgemein für den Sport in Stufe 2?
Individualsport (z. B. Joggen, Radfahren, Wandern, Gymnastik, aber auch Kontaktsportarten wie z. B. Judo, Boxen, etc.) darf in Gruppen von höchstens zehn Personen stattfinden. Die Sportausübung zweier Haushalte bleibt unabhängig von der Personenzahl möglich. Geimpfte und genesene Personen zählen nicht mit, ebenso Kinder bis einschließlich 14 Jahre. Es muss gewährleistet sein, dass sich die Zehnergruppen während der Sportausübung in verschiedenen, mindestens drei Meter voneinander entfernten Bereichen aufhalten und keine Durchmischung der einzelnen Gruppen erfolgt.

Mannschaftssport ist ohne Einschränkung erlaubt. Voraussetzung ist ein entsprechendes Hygienekonzept. Damit können Fußball, Handball, Hockey, Basketball, American Football usw. in voller Mannschaftsstärke ausgeübt werden, entsprechend der Regeln der jeweiligen Sportart. Bei den Mannschaftssportarten wird ein Negativnachweis (Test) empfohlen.

Welche Besonderheiten gibt es?
Der Trainings- und Wettkampfbetrieb des Spitzen- und Profisports ist uneingeschränkt gestattet, sofern diesem ein umfassendes Hygienekonzept zugrunde liegt und allgemeine Hygieneregeln eingehalten werden. Rehabilitations- oder Funktionstraining im Sinne medizinisch verordneter Bewegung ist

ohne Einschränkungen zulässig. Es unterliegt nicht dem inder Corona-Kon-takt- und Betriebsbeschränkung ausgesprochenen Verbot. Das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung wird dringend empfohlen. Des Weiteren ist aus Sicherheitsgründen ein Hygienekonzept zu erstellen.

Wie ist Schwimmsport im Rahmen von Stufe 2 möglich?
Alle Schwimmbäder dürfen öffnen, wenn Besuche nur nach vorheriger Terminvereinbarung stattfinden, maximal eine Person je angefangener für den Publikumsverkehr zugänglicher Grundfläche von zehn Quadratmetern eingelassen wird, ein umfassendes Hygienekonzept vorliegt. Ein Negativnachweis wird empfohlen. Saunen und Saunabereiche können mit den entsprechenden Vorgaben wieder öffnen.

Welche Sportveranstaltungen dürfen in Stufe 2 stattfinden?
Zuschauer sind beim Trainings- und Wettkampfbetrieb im Freien und auch in geschlossenen Räumlichkeiten
(gedeckte Sportanlagen, z. B. Sporthallen) zulässig, wenn sichergestellt wird, dass diese den allgemeinen Vorgaben für Veranstaltungen nachkommen können.
Nunmehr dürfen bis zu 200 Personen an den Veranstaltungen unter freiem Himmel teilnehmen (Genehmigungsmöglichkeit für höhere Teilnehmerzahlen; Genesene und Geimpfte zählen nicht mit); ein Negativnachweis ist nicht mehr verpflichtend, wird aber dringend empfohlen. Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen sind auch genehmigungsfrei in Innenräumen mit Negativnachweis zulässig. Höhere Teilnehmerzahlen bedürfen der Genehmigung.

Wie können Fitnessstudios in Stufe 1 und 2 genutzt werden?
Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen (beispielsweise Yoga-, EMS- und Pilates-Studios) dürfen in Stufe 1 nur für Personen öffnen, die einen Negativnachweis vorlegen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass Besuche nur nach vorheriger Terminvereinbarung stattfinden und die Daten vom Betreiber möglichst elektronisch erfasst werden, nur eine Person je angefangene 40 Quadratmeter Trainingsfläche eingelassen wird sowie ein umfassendes Hygienekonzept zugrunde liegt.
In Stufe 2 gelten die gleichen Vorgaben wie in Stufe 1, allerdings sind Negativnachweise (insbesondere Tests) nur noch empfohlen, nicht mehr zwingend.

KREIS WILL SICH AN VORGABEN ORIENTIEREN, TV IDSTEIN STARTBEREIT

► Einzelne Kreise könnten weiterhin schärfere, davon abweichende Regelungen treffen. Doch im Rheingau-Taunus-Kreis werden sich die Verantwortlichen mit Blick auf den Sport ganz an den Vorgaben der von der Landesregierung beschlossenen Lockerungsstufe 2 orientieren, das bestätigt Christoph Zehler als Leiter des Pressereferats. Ungeachtet der neuen Möglichkeiten und Freiheiten – etwa im Mannschaftssport in den Vereinen -mahnt er: „Vor einem Jahr hatten wir zeitweise noch niedrigere Inzidenzwerte, aber mehr Maßnahmen. Es ist wichtig, die AHA-Regeln weiter zu berücksichtigen, damit die jetzigen Werte nicht infrage gestellt werden. Wenn sich jeder daran hält, können wir schauen, ob weitere Lockerungen möglich sind”, sagt Zehler.

► Beim TV Idstein tummeln sich knapp 4000 Mitglieder in den 18 Abteilungen des Vereins, der die lange Zeit der Corona-Einschrän-kungen nach jetzigem Stand mit „minimaler Anzahl an Austritten” überstanden hat, erläutert Andreas Reuther als Sprecher des geschäftsführenden Vorstands. Bevor nun im Rheingau-Taunus die Stufe 2 der Lockerungen greift, seien 40 bis 45 Anmeldungen erfolgt. Allein bei der reaktivierten Basketball-Gruppe der Altersstufe U10 hätten sich zwölf Kinder zusammengefunden. Auch im Kinderbereich der Leichtathletik gibt es Zuwachs. „Wenn wir Angebote machen können, werden weitere Anmeldungen erfolgen”, versprüht Reuther vorsichtige Zuversicht. Viel Training im Freien – auch für die jungen Handballerinnen und Handballer

ist beim TVI angesagt. Daneben bieten die Mike-Schillings-Halle und die Erivan-Haub-Halle als vereinseigene Domizile Übungsoptionen für zwei Haushalte, Kinder bis einschließlich 13 Jahre und für die neue Rehasport-Gruppe der Menschen mit Corona-Folgeerkrankungen. Sozialer Kontakt und Bewegung, das spiele bei diesem Angebot eine besonders wichtige Rolle, betont Reuther. Bei der mit Über-70-Jährigen besetzten Riege der „Montagsturner” werde man zunächst feststellen, wer geimpft oder genesen ist, sieht er etliche Ansatzpunkte zur schrittweisen Rückkehr in ein Vereinsleben der Aktivitäten. „Aber man muss abwarten, ob die Zahlen unten bleiben”, gibt Reuther zu bedenken. Anbieten, was zugelassen ist, das bleibt im Moment die Devise.

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