Schiedsrichter kein Alibi

Wiesbadener Kurier vom 16.12.2019
TG Kastel ärgert sich bei 23:25 gegen Idstein über Unparteiische und über sich selbst

Von Susan Dobias
KASTEL. Die Handballer des TV Idstein tanzten nach dem Abpfiff im Kreis, die Spieler der TG Kastel waren hingegen bedient. Vor allem der Frust über die Unparteiischen überwog bei der 23:25 (10:15)-Niederlage der Kasteler im Landesliga-Derby am Samstag. Von fehlender Gleichbehandlung war die Rede, von unverständlichen Zeitstrafen und nicht geahndeten Fouls des Gegners.

„Wir wurden seit Ewigkeiten nicht mehr so schlecht gepfiffen“, resümierte Co-Trainer Michael Finger. Auch Kastels Coach Kalli Klein war erzürnt, die Schuld für die Niederlage gab er den Unparteiischen aber nicht. „Das wäre ein Alibi“, sagte Klein: „Wir sind dafür verantwortlich. Unsere Leistung war in der ersten Halbzeit nicht gut, da war Idstein besser und abgeklärter. Wir hätten es enger gestalten müssen, dann hätte es vielleicht auch für ein Pünktchen gereicht.“

Der früh mit zwei Zeitstrafen belastete Schlüsselspieler in der Abwehr, Eric Krause, fehlte fortan in der Innendeckung, spielte nur noch im Angriff. Idstein nutzte die Umstellungen in der TG-Abwehr eiskalt. „Wir haben da zu viele leichte Tore sowie Strafen bekommen, die wehgetan haben”, erklärte TG-Rückraumspieler Lukas Klein.

Dennoch schafften die Hausherren im zweiten Abschnitt den Anschlusstreffer (18:19/ 49.). Idstein wankte, kassierte in Person von Tim Schulz wegen eines groben Foulspiels Rot (37.), fiel aber nicht. Auch, weil sich Kastel technische Fehler leistete, klarste Chancen vergab, am starken Paul Kaufmann im Idsteiner Tor scheiterte oder ein paar unglückliche Pfiffe kassierte. „Mit der ein oder anderen Entscheidung, sowohl von den Spielern als auch Schiedsrichtern kann es auch anders ausgehen“, erklärte Lukas Klein.
Trotz des Spielausgangs war das Derby ein Duell auf Augenhöhe zweier kollektiv starker Mannschaften mit glücklicherem Ende für die Gäste. „Wir haben zum Schluss kühlen Kopf bewahrt, hatten immer eine Antwort. Ich freue mich, dass ich Jan würdig vertreten durfte”, sagte der für den privat verhinderten TV-Coach Jan Welsch eingesprungene Dennis Hormann.

Idsteiner Kaufmann spricht von „sagenhafter Hinrunde“

Nach dem neunten Sieg im 13. Spiel war die Freude entsprechend groß. „Es ist eine sagenhafte Hinrunde. Wir wollen uns jetzt in der Liga etablieren und Gas geben“, sagte Paul Kaufmann. Ob sich Idstein in der Winterpause angesichts des Tabellenplatzes neue Ziele setzen wird, bleibt abzuwarten. „Es läuft viel besser als erwartet, das wissen wir selber“, erklärte Spielmacher Jonas Cremers. „Wenn alle fit für die Rückrunde werden, schauen wir mal, wo die Reise hingeht. Ein sicherer Mittelfeldplatz wäre das Schönste, aber erst mal wollen wir den Nichtabstieg eintüten.“ Das gilt auch für Kastel. Für die starke Leistung in der zweiten Halbzeit könne man sich leider nichts kaufen, bemerkte Coach Klein, der anschließend mit dem Team zur Weihnachtsfeier ging. Vermiesen lassen wollte er sich die nicht. „Wir werden es uns trotzdem schön machen. Jetzt müssen wir nächste Woche in Lollar zwei Punkte holen“, sagte er.

Kastel: Schiebeler, Dresen; S. Fischer (4), Hohmann (4/1), Holtkötter (2), Jungblut, Panzer (5), Krause (2), Grzeschik (2/1), T. Fischer, Klein (3/2), Munck, Reese, Wykypiel – Idstein: Kaufmann, Zumdick; Grandpierre, Timmermann, Engel (3), Flock (2), Schulz (3), Kocak (4), Malmbak-Schäfer, J. Cremers (3), D. Welsch (3), Völlger (1), Schubert (6/3), Kopp. – Disqualifikation: Schulz (37./Foulspiel).

Augen zu und doch nicht durch: Christian Panzer (rechts) kommt an der Idsteiner Deckung nicht vorbei.                                                                            Foto: rscp/Ulrich Scherbaum

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