Sorge um Existenz der Sportvereine

Wiesbadener Kurier vom 17.10.2022
Landessportbund Hessen sieht Politik in stärkerer Pflicht, begrüßt aber Signal der Gas-preiskommission

Wie warm wird es werden in den Sporthallen? Die Energiekosten bereiten Sportvereinen große Sorgen und bringen sie nach Meinung des Landessportbundes sogar in Existenznot. – Archivfoto: Andreas Kelm

Von Udo Döring
FRANKFURT. Zu den Vorschlägen der Gaspreiskommission gibt es viele Fragen. Auch von Juliane Kuhlmann: „Es wird vor allem über Hilfe für Familien und Unternehmen gesprochen. Aber wer kümmert sich um die Vereine?“ Knapp 7500 davon gehören zum Landessportbund Hessen (LSBH), den die Nauheimerin seit nun 108 Tagen führt. Eine Zeit, in der sich durch Putins Angriffskrieg die zweite große Problemwelle in Folge aufbaute. „Die Energiekrise hat im Gegensatz zu Corona das Potenzial, den Vereinen so zuzusetzen, dass sie in ihrer Existenz bedroht sind“, sagt Juliane Kuhlmann, die eigentlich auf die politischen Lehren aus Corona und seinen Folgen setzte, in einer Medienrunde aber ernüchtert feststellen musste: „Es herrschte zu lange Schweigen. Lange hat der Bund auf das Land gezeigt, und das Land auf den Bund.“ Ihr Vorgänger Rolf Müller brauchte schon in der Pandemie trotz bester Vernetzung sehr lange, bis er sagen konnte, die Politik erkenne allmählich die Bedeutung der Sportvereine und wertschätze deren gesellschaftliche Aufgabe. Seine Nachfolgerin muss nach eigenen Worten mit der neuen Krise aber die alte Frage wieder stellen: „Was ist denn nun mit all der Wichtigkeit der Vereine, die ihr schon betont habt?“
LSBH-Geschäftsführer Andreas Klages stellte fest: „Im Unterschied zu Corona nehmen wir wahr, dass das politische System noch überforderter ist, mit der Krise umzugehen. Deshalb sind die Lösungen schwieriger und komplexer.“ Der LSBH spürt nach eigenen Angaben deutlich, wie sich Verzweiflung in den Vereinen ebenso breit macht wie Erschöpfung, nachdem Corona schon für genug Probleme und Abnutzung gesorgt hatte. „Denn auch nach allen Sparmaßnahmen klafft immer noch eine große Lücke, die vielen Angst macht.“ Der LSBH sieht die Vereine kaum noch in der Lage, die drastisch gestiegenen Energiekosten aus Eigenmitteln zu finanzieren. Denn schon in ihrer Gemeinnützigkeit liege das Problem, nur in begrenztem Umfang Rücklagen bilden zu dürfen, die bereits in der Corona-Krise aufgebraucht oder zumindest stark angegriffen wurden.

Die erhöhten Kosten können wiederum nur bedingt durch zusätzliche Mitgliedsbeiträge abgefangen werden. Zumal Familien jetzt selbst in wirtschaftliche Not geraten, die in der Corona-Pause dem Verein trotz fehlender Angebote noch die Treue gehalten haben.

Tennishallen und Bäder werden zu Problemzonen

„Die größten Probleme haben jene Sportarten, Verbände und Vereine, die einen hohen Eigenanteil an der Infrastruktur haben“, sagt Juliane Kuhlmann. Tennishallen oder Schwimmbäder zum Beispiel werden zu energetischen Problemzonen. Der LSBH hat nach eigenen Worten sehr früh Stellung bezogen gegen mögliche Schließungen von Sportstätten. So richtig helfen kann er den angeschlossenen Vereinen und Verbänden aber letztlich nur mit Appellen an die Politik und der permanenten Suche nach Dialog. „Es ist ein Signal, ein Streifen am Horizont“, sagte Juliane Kuhlmann zu den Ansätzen der Gaspreiskommission, die in Berlin nach Reduzierungsmöglichkeiten der Energiekosten sucht. Sie erkannte aber noch

Auch nach allen Sparmaßnahmen klafft immer noch eine Lücke, die vielen Angst macht.
Juliane Kuhlmann, LSBH-Präsidentin

keine belastbaren Aussagen, wie damit auch den Sportvereinen geholfen werden kann.

Schutzschild und Überbrückungshilfen waren Schlagworte der LSBH-Verantwortlichen, die in den vergangenen Jahren schon eine vorbildliche und auch energetisch ausgerichtete Sportstätten-Fachberatung für die Sportvereine aufgebaut haben. „Wir sind damit lange als Umwelt-Onkels belächelt worden“, sagt Andreas Klages. Jetzt ist es ein gefragtes Thema, bei dem Beratung allein den Vereinen aber nicht dauerhaft helfen wird.

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