„Wie es ist, ist es perfekt“

Wiesbadener Kurier vom 24.01.2020 –
Jonas Cremers hat viel erlebt – jetzt surft er mit dem TV Idstein auf der Euphoriewelle

Denker und Lenker – dazu ein treffsicherer Schütze. Linkshänder Jonas Cremers zählt beim TV Idstein zu den Leistungsträgern. In Holzheim will er dazu beitragen, dass der Höhenflug des TVI anhält.                                                                                           Archivfoto:rscp/Marcel Lorenz

Von Susan Dobias
IDSTEIN. Früher träumte Jonas Cremers von der großen Handball-Bühne, mittlerweile backt er kleinere Brötchen. Der Schritt in eine hohe Liga blieb ihm verwehrt. Beim Landesliga-Überraschungszweiten TV Idstein ist er dennoch glücklich und seit seiner Rückkehr zu seinem Jugendverein im Sommer 2018 auch unverzichtbar.

„Jonas ist taktisch sehr gut ausgebildet, hat einen unglaublichen Willen, trifft viele richtige Entscheidungen, ist in der Abwehr im Innenblock nicht wegzudenken und ist menschlich einfach klasse. Das alles macht ihn zum Führungsspieler“, sagt TVI-Coach Jan Welsch. Am Samstag beim TuS Holzheim (19.30 Uhr) will Cremers diese Eigenschaften wieder zeigen und seine Mannschaftskollegen zum zwölften Saisonsieg führen. „Wir werden sie nicht unterschätzen, sonst gibt es ein böses Erwachen. Aber wir werden versuchen, unser Spiel durchzuziehen“, erklärt Cremers.

■ Mit 14 im Internat der Löwen: Im Alter von 14 Jahren war der gebürtige Idsteiner ins Internat des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen gezogen. Zwei Jahre wurde er in der Talentschmiede des deutschen Spitzenteams geschult. Doch ein Kreuzbandriss riss ihn aus allen Träumen. Ein Jahr sportliche Zwangspause folgte und letztlich das Ende der Internatszeit. „Das Jahr hat mich weit zurückgeworfen. Und da ich auch vorher schon sehr verletzungsanfällig war, war der Zug einfach abgefahren“, blickt Cremers zurück – ohne Wehmut, wie er betont. „Natürlich war der Plan anders, aber mittlerweile habe ich das absolut angenommen. So wie es jetzt ist, mit Studium und Arbeit, ist es perfekt.“ Die handballerische Ausbildung half ihm auch in der Nachwuchs-Bundesliga bei der HSG VfR/Eintracht Wiesbaden, wo er nach seinem Comeback zurück zu alter Stärke fand. Im letzten A-Jugendjahr wagte Cremers noch einmal den Sprung in ein höherklassiges Team, schloss sich dem TV Hüttenberg an. Dort absolvierte er in der U 23 seine ersten Spiele bei den Erwachsenen.

■ Rückkehr zum TVI die richtige Entscheidung: Im Sommer 2018 kehrte der nunmehr 22-Jährige auch wegen seines Kriminalpolizeistudiums, das er gerade abgeschlossen hat, nach Idstein zurück und trug zum Landesliga-Aufstieg bei. „Das war eine Herzensangelegenheit und die absolut richtige Entscheidung, auch um Studium und Sport unter einen Hut zu bringen“, berichtet der Linkshänder. Er genießt es, wieder mit seinem Bruder Yannick sowie zahlreichen Kumpels aus Jugendzeiten in einem Team zu spielen. In einem Verein, den er seit frühesten Kindheitstagen kennen und lieben gelernt hat. Hier trainierte einst sein Vater Martin die erste Herrenmannschaft – darunter den heutigen Coach Jan Welsch. Mama Daniela war erste Übungsleiterin der Brüder. „Sie waren bei uns schon als kleine Kinder dabei“, erinnert sich Welsch zurück. Mittlerweile ist Cremers der Denker und Lenker beim Überraschungsteam. Durch die Verpflichtung von Moritz Schubert wechselte Cremers von seiner angestammten halbrechten Position in die Rückraummitte. Ein Experiment, das voll aufging und Idstein noch stärker macht.

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