Wird die PCR-Testpflicht für ungeimpfte Erwachsene zum Problem

Wiesbadener Kurier vom 12.11.2021
ln Sporthallen und für Innenräume der Sportanlagen greift ab sofort die neue Regelung, die Vereine vor weitere Herausforderungen stellt / Befürchtungen, dass Fußballspiele ausfallen

von Stephan Neumann
WIESBADEN. Teurer PCR-Test für nicht geimpfte Erwachsene erforderlich – das ist im Rahmen der neuen Beschlüsse des hessischen Corona-Kabinetts nun die Vorgabe für das Betreten von Wiesbadener Sporthallen oder die Nutzung von Innenräumen auf den städtischen Freiluft-Sportanlagen. Das Wiesbadener Sportamt hat eine entsprechende Neufassung an die Vereine versandt. Sie gilt seit Donnerstag.

Und beinhaltet Ausnahmen. „Für die Beschäftigten in Sportstätten – unabhängig, ob angestellt, selbstständig oder ehrenamtlich tätig – gilt die Testpflicht nach § 3a (zweimal wöchentlicher Antigentest, soweit nicht geimpft oder genesen). Zu dieser Gruppe zählen etwa Trainer, Betreuer, Schiedsrichter und ähnliche Personen. Auch ehrenamtlich Tätige und freiberuflich Beschäftigte fallen unter diese Personengruppe und werden Arbeitnehmern gleichgestellt“, heißt es auf der Seite des Landessportbunds Hessen, die das Wiesbadener Sportamt in einer ergänzenden Mitteilung an die Vereine übernommen hat.

Ansonsten gilt: Erwachsene, die Hallen oder Innenräume auf Sportplätzen betreten wollen, müssen laut Sportamt Wiesbaden „einen Testnachweis aufgrund einer maximal 48 Stunden zurückliegenden Testung mittels Nukleinsäurenachweis (PCR, PoC-PCR oder weitere Methoden der Nukleinsäure-amplifikationstechnik) “ dabei haben. Genesene und geimpfte Personen benötigen keinen Test, müssen jedoch ihren Genesenen-/Impfnachweis vorlegen.

Weiterhin heißt es: Soweit ein Negativnachweis zu führen ist, gilt dies nicht für Kinder unter 6 Jahren. Für Kinder, die älter als 6 Jahre, aber noch nicht eingeschult sind, wird ebenfalls von einem Testerfordernis abgesehen. Und für bis zu 18-Jährige gilt „der Nachweis der Teilnahme an einer regelmäßigen Testung im Rahmen eines verbindlichen Schutzkonzepts für Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden an Schulen und sonstigen Ausbildungseinrichtungen“. Etwa in Form des Testhefts mit Eintragungen der Schule beziehungsweise der Lehrkräfte.

„Die Landeshauptstadt Wiesbaden behält sich vor, die Einhaltung der Vorgaben zu überprüfen und bei Verstößen die Nutzung zu untersagen“, schließt die Mitteilung. Doch wie wirkt sich das auf die Praxis in den Vereinen konkret aus? Etwa in der Hockeyabteilung des Wiesbadener THC, die ihren Spielbetrieb nun in die Halle verlagert hat und deren in die 2. Regionalliga aufgestiegene Frauenmannschaft am Samstag (15 Uhr, Dilthey-Leibniz-Halle) mit dem Heimspiel gegen die TG Frankenthal in die Saison startet. Während die Zweitliga-Männer erst am 4. Dezember beginnen. „Wir sehen keine großen Probleme, weil in Hessen für die bis zu 18-Jährigen der vereinfachte Test genügt. Und von den ab 12-Jährigen haben wir im Verein einen hohen Anteil an Geimpften. Das gilt auch für den Erwachsenenbereich. Deshalb sind die Auswirkungen der neuen Vorgaben etwas geringer“, erläutert Abteilungs-

leiter Till Kowalczek. Der WTHC habe entsprechend die Gästeteams informiert. Undwas die Zuschauer angehe, sei die 2G-Regel vorgesehen. „Das ist vom organisatorischen Aufwand einfacher“, betont Kowalczek. Während ungeimpfte Fußball-Schiedsrichter als Ausnahme zum Kreis derer zählen, die im Rahmen der Antigentest-Rege-lung Zutritt haben, befürchtet der Rheingauer Schiedsrichter-Obmann Klaus Reuter indes Spielausfälle, weil womöglich einzelne Teams auch aufgrund der geforderten PCR-Tests von ungeimpften Spielern, die einen Tag Vorlauf brauchen, Personalprobleme bekommen könnten. Der Wiesbadener Schiedsrichter-Lehrwart Dennis Jantz sähe ungeachtet niedriger Temperaturen für ungeimpfte Spieler, die sich keinem PCR-Test unterziehen wollen, noch die Möglichkeit, sich „umgezogen direkt auf den Platz zu begeben“.

Denn: Die Amateurfußballvereine haben zwar weiter den Freiluft-Bonus, doch bei Umkleideräumen, Duschen und Toiletten sind die Regeln nun noch einmal strenger. Bei nicht geimpften erwachsenen Spielern und Zuschauern gilt die Vorlage eines PCR-Tests, während die eingangs erwähnte Gruppe der Trainer, Betreuer, Offiziellen, Ehrenamtlichen und Schiedsrichter bereits mittels Antigentest-Regelung Zutritt für Innenräume hat.

Bei den jüngsten Fußballern darf der Ball rollen – doch zuschauende Eltern müssen modifizierte Corona-Regeln beachten – Foto Luge

Biebrich 02 hat 18 Jugendteams, wovon fünf der jüngsten im F- und G-Juniören-Bereich an diesem Wochenende spielen. Klar, dass bei den Jüngsten die Eltern dabei sind, um womöglich auch in der Kabine beim Umziehen zu helfen. Jugendleiter Hartmut Steindorf hat daher die 02-Nachwuchstrainer angewiesen, den Status der Eltern abzufragen. Nichtgeimpfte ohne PCR-Test müssten entsprechend damit klarkommen, wenn sie die Innenräume nicht betreten dürften. Man werde konsequent sein, „wenn sich Einzelne nicht an die Corona-Vorgaben halten und damit in Kauf nehmen, dass der Verein Probleme bekommt“, sagt Steindorf in der Hoffnung, dass trotz der Verschärfung für Nichtgeimpfte keine größeren Komplikationen auftreten. Das Gros der Ungeimpften halte sich ohnehin im Hintergrund. Was die Toilettennutzung innerhalb der an die Fußballplätze angrenzenden Dyckerhoffhalle angehe, sieht Steindorf die Verantwortung bei der Stadt. Das sei somit eine Sache der Hallenwarte. Wie und ob sich alles im Rahmen der PCR-Testpflicht einschleift, bleibt nun abzuwarten.

Aufrufe: 81