Zuschauereinlass erleichtert

Wiesbadener Kurier vom 15.09.2021
Neue Corona-Regeln in Hessen betreffen auch den Sport/Es bleiben noch offene Fragen

Von Stephan Crecelius und Stephan Neumann
WIESBADEN. Mit viel Engagement haben die heimischen Sportvereine zuletzt versucht, die Umsetzung der Corona-Regelungen in puncto Zuschauer irgendwie zu stemmen. Eine Aufgabe, die zumindest den Freiluftsportlem in Hessen ab kommenden Donnerstag nun etwas erleichtert sein dürfte. Wie Ministerpräsident Volker Bouffier am Dienstag auf einer Pressekonferenz erläuterte, sind künftig bei Veranstaltungen unter freien Himmel einerseits 1000 Personen, plus Geimpfter und Genesener, ohne Genehmigung erlaubt. Das sind deutlich mehr Menschen als zuvor, bislang belief sich die Zahl ohne Genehmigung in Wiesbaden auf 200. Der entscheidende Unterschied ist aber ein anderer: „In Außenbereichen wird die Verpflichtung zum 3G-Nachweis, da wo er bislang gilt, gestrichen“, heißt es in einer Mitteilung des Landes wörtlich. Erst „bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen ist ein Negativnachweis vorzulegen“.

Die Schlussfolgerung: Bei Freiluftsportarten können die Amateurvereine also, wenn sie es denn wollen, in aller Regel wieder jeden Zuschauer ohne 3G-Kontrolle einlassen, in einer entsprechenden Informationsübersicht tauchen bei Veranstaltungen bis 1000 Personen auch nur noch die Vorgaben „Abstand und Hygienekonzept“ sowie „Maskenpflicht im Gedränge“ auf. Denn die Personenzahlen dürften mit Blick auf den Amateursport in den allermeisten Fällen weder beim Fußball, Hockey und Tennis noch beim American Football oder Baseball – um fünf Beispiele zu nennen – den Richtwert von eben jenen 1000 Menschen überschreiten. Im Innenbereich, also Sporthallen, sind nun Veranstaltungen bis zu 500 Personen (zuvor 100) ohne Genehmigung möglich. Im Gegensatz zu Freiluftsportarten bleibt die 3G-Regel aber bestehen. Hier müssen die Vereine also weiterhin kontrollieren, was freilich mit hohem Aufwand verbunden ist.

So weit die vom Land Hessen vorgegebene Theorie. Zunächst blieben heimische Verantwortlichen aus dem Sport aber noch zurückhaltend, wollten sich nicht äußern und abwarten, wie es genau in der Praxis geregelt wird. Fakt ist: Die neuen Leitlinien des Landes Hessen werden die zuständigen Stellen in den Kreisen und Kommunen vor neue Herausforderungen stellen. „Wir schauen uns

das genau an und warten, was der Verwaltungsstab der Stadt vorgibt. Danach werden wir wieder über die Regeln für Sportanlagen und Hallen informieren“, sagt der Wiesbadener Sportamtsleiter Karsten Schütze.Schon in der Vergangenheit hatte das Sportamt den Vereinen Leitfäden zur Orientierung an die Hand gegeben. Nebenbei: Das Rechtsamt der Stadt Wiesbaden hat das Formular des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) geprüft, das Gastvereine pauschal für alle ihre Teilnahme an einem Spiel dem gastzgebenden Club als Nachweis übergeben können. Das Rechtsamt hat festgestellt, dass ein Nachweis in dieser Form eigentlich nicht statthaft sei, sondern Einzelnachweise zu erfolgen hätten, lässt Schütze anklingen. Im Zuge der neuen Regelungen wird das wohl ohnehin hinfällig. Aber es könne ja sein, dass sich diese Thematik wieder stelle, so Schütze.
Ein wieder anderer Punkt ist, dass auch die Kontaktnachverfolgung im Sport laut den neuen Regeln in Hessen wegfallen dürfte. In der Mitteilung des Landes heißt es nämlich, dass „künftig lediglich in Einrichtungen mit besonders gefährdeten Personen weiterhin die Kontaktnachverfolgung notwendig“ sei. Und weiter: „Das betrifft insbesondere Krankenhäuser sowie Alten- und Pflegeheime. Auch beim Betrieb von Diskotheken und Bordellen ist weiterhin sowohl bei 3G als auch dem 2G-Optionsmodell die Kontakterfassung Pflicht ist.”

Generell entscheidet in Hessen künftig nicht mehr die Sieben-Tages-Inzidenz über Maßnahmen, sondern die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz sowie die Belegung der Intensivbetten. Es soll zwei Warnstufen geben, zudem gibt es künftig ein 2G-Op-tionsmodell (mehr dazu auf der Seite „Hessen/Rhein-Main“ dieser Zeitung). Welche konkreten Anpassungen der Corona-Regeln – die dann logischerweise auch den Sport betreffen dürften -beim Erreichen der Warnstufen greifen, ist noch offen. Es soll darüber beraten werden, wenn es so weit ist. Bleibt nun abzuwarten, ob Vereine womöglich trotzdem bei den Kontrollen nach dem 3G-Muster verfahren, oder von der Option 2G Gebrauch machen. Wie andernfalls der Zutritt beispielsweise für Vereinsräume und Toiletten geregelt ist, ist eine der Detailfragen, die sich wohl in den kommenden Tagen klären wird. Für die Vereinsverantwortlichen bleibt es eine heikle Situation.

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